Vielleicht der wichtigste Ratschlag, den ich einem Brautpaar geben kann, hat nichts mit Kleid, Ring oder Location zu tun. Es geht um die Uhrzeit — genauer gesagt: um den Stand der Sonne, wenn wir die Brautpaarbilder machen.

Denn davon hängt mehr ab als von jeder anderen Variablen, die wir am Hochzeitstag beeinflussen können.

Warum Uhrzeit alles entscheidet

Wenn die Sonne hoch am Himmel steht — grob zwischen 11:00 und 15:00 Uhr im Sommer — fällt das Licht von oben senkrecht ins Gesicht. Das erzeugt harte Schatten unter Augen, Nase und Kinn. Selbst mit dem besten Equipment werden Bilder um diese Zeit nie so schön wie sie sein könnten. Braut-Make-Up sieht härter aus. Augen wirken tief eingesunken. Die Nase wirft einen Schatten auf den Mund.

Steht die Sonne dagegen flach am Horizont — kurz nach Sonnenaufgang oder in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang — kommt das Licht seitlich. Es umschmeichelt Gesichtszüge, statt sie zu zerteilen. Die Haut wirkt warm. Der Himmel im Hintergrund bekommt Farbe. Das nennt man in der Fotografie die „Golden Hour" — und sie ist der Grund, warum die schönsten Hochzeitsbilder oft die abends geschossenen sind.

Die Formel für Euren Ablauf

Ich schaue mir vor jeder Hochzeit den Sonnenstand für Eure Location im Sonnenkalender an. Grobe Regeln für Mitteleuropa:

Sommer (Mai-August):

  • Golden Hour morgens: ca. 6:00-7:30 Uhr (früh für Getting Ready)
  • Golden Hour abends: ca. 19:30-21:15 Uhr
  • Meine Empfehlung: Brautpaarshooting 90 Minuten vor Sonnenuntergang

Frühling und Herbst (März, April, September, Oktober):

  • Golden Hour abends: ca. 17:30-19:30 Uhr
  • Meine Empfehlung: Brautpaarshooting 60-90 Minuten vor Sonnenuntergang

Winter (November-Februar):

  • Es gibt praktisch keine harte Mittagssonne — der ganze Tag ist weiches Licht
  • Meine Empfehlung: Brautpaarshooting zwischen 14:00 und 16:00, weil das Licht dann noch für Bilder ausreicht

Der klassische Ablauf, den ich empfehle

Bei einem typischen Sommerhochzeitstag mit Trauung um 14:00 Uhr sieht der Ablauf oft so aus:

  • 14:00 Trauung
  • 15:00-16:30 Sektempfang, Gratulationen, Gruppenbilder
  • 16:30-17:30 Kurze Ruhepause / Anfahrt zur Location
  • 18:00 Dinner beginnt
  • 19:45-20:30 Brautpaarshooting im Abendlicht (30-45 Min)
  • 20:30 Rückkehr zur Feier, Eröffnungstanz

Der Trick: Das Brautpaarshooting bewusst in die Zeit zwischen Hauptgang und Nachtisch legen. Die Gäste sind mit dem Essen beschäftigt, Ihr habt Ruhe, und das Licht ist perfekt. Zurück am Tisch fühlt Ihr Euch frisch aufgeladen für die Feier — statt platt und ausgezehrt vom Standesamt-Marathon.

Wenn die Uhrzeit nicht ideal ist — was tun?

Nicht jede Hochzeit lässt sich um den Sonnenstand herum planen. Kirchliche Trauungen haben oft feste Zeiten. Locations sind manchmal nur zu bestimmten Stunden verfügbar. Und im Winter geht die Sonne einfach zu früh unter.

Was ich dann tue:

  • Schatten suchen. Auch bei hohem Sonnenstand gibt es Schatten von Gebäuden, Bäumen, Hausfassaden. Ich gehe mit Euch bewusst in den Schatten und nutze das dort weichere Licht.
  • Diffusion aufbauen. Ich habe immer einen faltbaren Diffusor dabei — ein großes weißes Tuch, das die harte Sonne weicher macht. Ein Trauzeuge hält es, ich fotografiere.
  • Location bewusst wählen. Wenn die Trauung um 12:00 mittags ist, plane ich die Brautpaarbilder in einen bewaldeten Bereich, unter eine Torbogen- Passage, in einen Innenhof. Weiches, indirektes Licht überall.

Was wirklich die Bilder ruiniert

Ehrlich gesagt: der größte Feind der Hochzeitsbilder ist nicht die Uhrzeit selbst — es ist Zeitdruck. Wenn wir 15 Minuten für die Brautpaarbilder haben, weil das Dinner in 20 Minuten anfängt, dann werden die Bilder unruhig. Ihr wirkt gehetzt. Die Posen sind steif.

Plant also nicht nur die richtige Uhrzeit, sondern auch ausreichend Zeit. 30-45 Minuten für das Brautpaarshooting ist realistisch. Weniger als 20 Minuten wird problematisch, egal wie schön das Licht ist.

Was ich mit Euch mache

Wenn Ihr mich bucht, bekommt Ihr im Vorgespräch von mir eine konkrete Empfehlung, wann wir die Brautpaarbilder machen sollten — abgestimmt auf Euren Termin, die Location und die Jahreszeit. Das ist Teil meiner Arbeit und kostet Euch keinen Cent extra.

Und wenn es zeitlich nicht anders geht: dann suche ich mit meinen Erfahrungen das Beste aus dem Vorhandenen heraus. Ihr werdet trotzdem Bilder bekommen, mit denen Ihr glücklich seid.


Wenn Ihr Eure Hochzeit in Mittelfranken oder Bayern plant und Klarheit über den Ablauf möchtet: schreibt mir kurz. Ein Vorgespräch ist immer unverbindlich, und ich helfe Euch gerne bei der Planung des richtigen Tages-Rhythmus — auch dann, wenn Ihr einen anderen Fotografen bucht.